MARKETING UND ZEITGEMÄßE BRANCHENPRÄSENTATION

Die Werbemöglichkeiten für Bestatter sind relativ eingeschränkt oder scheinen es zu sein, nämlich nach dem bisherigen Selbstverständnis der Branche, in dem noch immer der falsch verstandene Begriff der sogenannten ‚Pietät dominiert. Auf der einen Seite möchten Bestatter als ganz normale Kaufleute, Handwerker und Dienstleister (was sie ja schließlich auch sind!) angesehen werden, auf der anderen Seite sind sie es selbst, die sich aufgrund der Eigenpräsentation und des Erscheinungsbildes eigenhändig in eine Nischenposition manövrieren.

Ein Sarg, eine Urne, ein Dienstleistungspaket und eine Trauerhalle sind Produkte wie alle anderen auch, werden gebraucht, gestaltet, hergestellt und verkauft - wie eben alle anderen Produkte auf dieser Welt auch. Und für Produkte wird geworben, und zwar mit der größtmöglichen Kreativität und Effizienz.
Der Unterschied zu Zahnpasta und Esszimmergarnituren besteht lediglich darin, dass die Produktpalette und der Service des Bestatters in einem besonderen, d.h. sehr traurigen, schmerzhaften Lebenskontext, - eben Sterben, Tod, Abschiednehmen, Trauer - gebraucht werden.
Da sich die postmoderne Verdrängungsgesellschaft von ihrer eigenen Sterblichkeit nicht die Laune verderben lassen will, wird der Tod weitestgehend ignoriert, anstatt - wie in anderen Kulturkreisen und früher auch in unserem - in das Leben integriert.
Dank des medizinischen Fortschrittes und des Wohlstandes in der Ersten Welt ist das menschliche Leben auf eine zuvor nie gekannte Länge ausgedehnt worden, die wenigsten Krankheiten oder Verletzungen führen heutzutage zum Tode, da kann man die Tatsache, dass wir doch nicht unsterblich sind, leicht aus den Augen verlieren. Angesichts dieser Überlegungen wird mehr als deutlich, dass Handlungsbedarf für die Branche besteht, und das heißt:

Weg vom beige-braunen Image, weg von der schief interpretierten Pietät, weg von den leisen, betretenen Tönen!

Das heißt nicht, dass man nun in schrillen, bunten Aktionismus verfallen soll, sondern dass man sich als seriösen, fachkundigen Berater definiert, als umfassenden Dienstleister und Vertrauensperson anbietet, der mit Intelligenz und höchstem Respekt Qualitätsprodukte, Know-how und kommunikative Sensibilität verkauft und dafür - das ist ganz selbstverständlich - innovativ wirbt.

Als betroffener Hinterbliebener werde ich mich in der Schocksituation mit Sicherheit an das Bestattungsinstitut wenden, über das ich bereits etwas weiß, das ich in "besseren Tagen" kennengelernt habe, das mir durch ansprechende, wechselnde Schaufensterdekoration und gut gestaltete und getextete Plakate in meinem Wohnviertel aufgefallen ist, mit dessen Inhaber ich schon anlässlich einer Ausstellung ein Glas Sekt getrunken habe und dessen Räumlichkeiten mir gefallen haben - kurz:
Ich wende mich an den Bestatter, der mir von einer angenehmeren Gelegenheit her vertraut ist.

Fazit: Selbstbewusste moderne Werbung und innovatives Selbstbewusstsein mit dem richtigen Fingerspitzengefühl und neuen Ideen, - z.B. "Ausstellung/Tag der offenen Tür" - sind für den Schritt ins dritte Jahrtausend unerlässlich.


Die Schrecksekunde


Alle, die mit der Bestattungsbranche zu tun haben, können diese Erfahrung bestätigen.
Wenn ich neue Menschen kennen lerne, ob im Urlaub, auf einer Party, oder sonst wo, dann passiert immer das Gleiche. Irgendwann komme ich mit meinem Gegenüber an den Punkt an dem wir unsere Neugier nicht zurückhalten können und einer von beiden dann die Frage nach dem Beruf stellt.

Sobald ich dann das Wort Bestatter, oder Bestattungsbranche ausspreche, stößt jeder Gesprächspartner reflexartig ungefähr Folgendes aus: „O Gott das könnt ich ja nie, damit will ich nichts zu tun haben!“. Dieser Satz, so oder ähnlich, steckt irgendwie in fast jedem Mitteleuropäer. Dieser Standard ist nach einer Sekunde über die Lippen gebracht. Nach 2 – 3 Sekunden Pause, länger dauert es nicht, kommen dann die ersten Fragen. Die Menschen merken plötzlich, dass sie gar keine Ahnung haben was diese Branche leistet, was diese Branche zu bieten hat, sie sind geradezu hungrig nach Informationen. Die Menschen stellen fest, dass sie selbst gerade gar keine geliebten Menschen verloren haben, dass sie nicht vor einem eben Verstorbenen stehen, dass sie nicht Zeuge eines grausamen Unfalls sind. Die Menschen stellen fest, dass es ihnen gut geht, dass es ihren Freunden und Verwandten auch gut geht, dass der Tod zum Leben gehört, dass jeder dran ist, und dass das Thema fürchterlich interessant ist und sie eigentlich nichts darüber wissen. Ich nenne das die anerzogene Schrecksekunde, ein gesellschaftliches Problem der wohlhabenden Industriegesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Bestatter muss durch sein Marketingkonzept mit den entsprechenden Instrumenten diese Schrecksekunde auslösen. Die Menschen werden ihm Fragen stellen, die Menschen werden ihm zuhören und die Menschen werden dann bei Bedarf, Morgen oder in 25 Jahren seine Leistungen in Anspruch nehmen.
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