Intention

Als ich 26 Jahre alt war, zum Ende meines Studiums, starb mein Vater. Ich betrat zum ersten Mal in meinem Leben die Räume eines Bestattungsunternehmens. Es war unfassbar, was mir an Räumlichkeiten zugemutet wurde. Ich war entsetzt über den Service, die Produkte und die Ideen, die mir angeboten wurden, und die gänzlich nicht vorhandene Kreativität ließ mich staunen. Aufgrund des Verlustes unseres Vaters waren wir auch nicht in der Lage, irgendwelche guten Ideen zu entwickeln. Wir entschieden uns dann für eine Seebestattung, obwohl mein Vater keinen besonderen Bezug zum Meer hatte. Nur die Seebestattungsurne war einfach die Schönste unter den Unsäglichen.

Es zeigte sich, dass die Entscheidung richtig war. An einem wunderschönen Frühsommertag fuhren wir mit einer edlen Yacht auf die Nordsee. Das war ca. 6 Wochen nach dem Todesfall, unsere Köpfe waren schon wieder etwas freier, und wir haben die Stunden auf dem Schiff und die Zeremonie sehr schön gestaltet. Auf dem Rückweg hat sich die kleine Trauergesellschaft an der einladenden Bar unter Deck fürchterlich betrunken, mein Vater hätte sich darüber sehr gefreut.

 

Die Bestattungsbranche ließ mich gedanklich nicht los. Die Monate vergingen, der Alltag kam wieder, und ich musste mir mal langsam überlegen, wo mein beruflicher Weg mich hinführen sollte. Seit Monaten hatte ich diese Bestattungsbranche im Kopf, ich war einfach entsetzt, wie Ende des 20. Jahrhunderts eine reiche Gesellschaft mit den Themen Tod, Trauer und Bestattung umgeht. Bei diesen Gedanken stellte ich fest, dass die Branche genau das braucht, was mich interessiert, genau das, was ich studiert habe.

Diese Branche, die seit 1945 nicht die geringste Entwicklung erfahren hatte, benötigte dringend die Mischung aus Tradition, Kultur und Kreativität, die mir die Kunstgeschichte mitgegeben hat, und dem kaufmännischen Aspekt des Marketings und der Zielgruppenorientierung, was mir sehr geläufig durch die Betriebswirtschaftslehre ist. Ich hatte viele Ideen für die Branche. Meine Absicht war nie, die Bestatterwelt zu revolutionieren oder umzukrempeln, nein, ich wollte eine Entwicklung in Gang setzen, die im Gegensatz zu allen anderen Branchen nicht existierte.

Ich entwickelte nach sorgsamer Marktanalyse einige „gute Ideen“, mit denen ich die Bestatter in meinem Umfeld abklapperte. Ich traf auf viele sehr nette Bestatter, auf einige wenige nicht so nette, aber das Ergebnis war immer gleich: Man hörte mir gnädig zu und verabschiedete mich mit einem herzlichen „Ja, ja!“. Ich war sehr erfolglos. Niemand aus dieser sehr konservativen Branche hatte auf einen langhaarigen Studenten gewartet, der glaubt, eine gute Idee zu haben.

Durch das Rumtingeln bei den Bestattern lernte ich aber den tatsächlichen Bedarf dieser Unternehmer kennen. Ich lernte auch einige Menschen kennen, die merkten, dass es mir ernst ist und dass ich doch einiges zu bieten habe. Ich wurde eingeladen zu Messen, Kongressen und Tagungen, ich durfte über meine Ideen und Visionen referieren. Irgendwie lief dann alles ganz gut, und es ist viel daraus geworden, und meine Ideen werden nicht weniger.

Erasmus A. Baumeister
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